Kultur ist für mich – Ein Beitrag zur Blogparade #Kulturdef

KulturwolkeWas ist eigentlich Kultur? Diese Frage stellte die Kulturbloggerin Tanja Praske auf Ihrem Blog (Tanjapraske.de Kultur-Museo-Talk) und rief andere Blogger im Kulturbereich, aber auch darüber hinaus dazu auf, sich im Rahmen einer Blogparade an dieser Frage zu versuchen. Als (ehemalige) Studierende der sogenannten Geisteswissenschaften ist uns der Begriff der Kultur in seinen mannigfaltigen Definitionen schon häufig begegnet, aber was denken wir eigentlich selbst über ihn? Ist nicht gerade der Graben zwischen einem wissenschaftlichen Kulturbegriff und der populärsprachlichen Kulturprogramm-Kultur auch für uns kaum zu überwinden? Muss er überhaupt überwunden werden? Kurzum, die Idee, uns an dieser Blogparade zur #Kulturdef zu beteiligen und selbst noch einmal über den Kulturbegriff zu reflektieren, fiel auf fruchtbaren Boden, denn würden wir nicht alle auf die Frage nach unserem (erhofften) Tätigkeitsfeld ganz klar eine Antwort geben? Natürlich: Kultur!     

Kultur ist für mich…

…ein nicht im Singular existieren könnendes Konstrukt mit einer Vielfältigkeit, die überraschen, ernüchtern, erfreuen oder auch erschrecken kann. (J.B.)


… immer wieder ein Grund zu homerischem Gelächter (war der kulturelle Norman nicht der Freund von der anthropologischen Konstanze?). (H.B.)


… eine Brücke zum Verständnis menschlicher Werte- und Traditionssysteme aus dem Gestern, aus dem Heute, aus dem Morgen. (I.R.)


…das, was die Völker vor Jahrhunderten geschaffen haben, aber auch das, was die Menschen um uns herum schaffen; das, was ich im Museum ansehen kann und das, was ich in den verschiedensten Ländern an Gebäuden und Ruinen besichtigen kann. Eine Kultur muss nicht hunderte von Jahren alt sein, um von Bedeutung zu sein. Zur Kultur gehört nicht nur die Geschichte von längst Vergangenem, sondern auch die Kunst, die Architektur und die Musik und natürlich die Menschen, die sie schaffen, und damit auch das jetzt und hier und wir. (C.W.)


… ein ambivalentes Gespinst, das einerseits alles umfassen aber andererseits auch nur einen Negativabdruck abbilden kann. So ist Kultur oft ein wertendes Schlagwort, um Dinge, Menschen, Praktiken aufzuwerten und abzugrenzen. Kultur ist aber auch ein Hilfswort, wenn andere Begriff fehlen: Wofür interessierst du dich? Kultur!

Gesellschaft und Kultur sind für mich untrennbare Begriffe, das eine bedingt das andere, umfasst das andere, umspannt es und bildet Verbindungen. Kultur ist somit vieles, aber je nachdem wer, wann, was, wieso und zu wem spricht, nicht alles.    (St.K.)


Was ist Kultur für mich?

Die Archäologin in mir denkt (die jahrelange Ausbildung und Arbeit hat es verinnerlicht) an den Aspekt „von Menschen gestaltet“: Wir finden Scherben gleichartiger Gefäße und sprechen von einer bestimmten Kultur, die häufig auch nach diesen Gefäßformen benannt ist: Trichterbecherkultur. Die Scherben stehen als materielle Zeugnisse für die längst vergangene Kultur.

Eine Studie zeigte einmal, wie viel jeder heutige Haushalt in einem schwedischen Möbelgeschäft gekauft hat – sind wir also die „Wohnst du noch, oder lebst du schon“ – Kultur?

Aber auf die Menschen selbst geschaut, unterscheiden wir uns so augenfällig, dennoch mit gruppierbaren gleichartigen Eigenheiten. Man könnte Menschen anhand ihrer Handtaschen in Kulturen einsortieren, vom Hipsterstoffbeutel über die Fake-Luxus-Tasche, anhand ihrer Frisuren oder den Magazinen, die gelesen werden. Eine sehr deskriptive Beschreibung und sehr verkürzt.

Nein. Es steckt sehr viel mehr dahinter. Habitus, Selbstverständlichkeit – und nicht zu vergessen: Zugänglichkeit. Kultur findet um uns herum statt, wir müssen sie erleben, um an ihr teilzuhaben. Und damit bilden wir sie gleichzeitig. Kultur setzt eine menschliche Gesellschaft voraus. Kultur ist also immanent? Kultur gibt es zumindest nicht ohne Menschen. Und wo Menschen sind, ist Kultur. Materielle Aspekte dienen nur als Chiffren, als visuelle Kennzeichen. Kultur ist immanent. (S.K.)

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3 Gedanken zu “Kultur ist für mich – Ein Beitrag zur Blogparade #Kulturdef

  1. Hi,

    ich bedanke mich bei allen Stimmen zum Kulturbegriff – ich bin schwer begeistert, wie viele sich zu einer Aussage hinreißen ließen. Das zeigt, dass Kultur bewegt und zwar nicht nur, weil sie vom Menschen geschaffen wird, sondern ihn innerlich berührt.

    Zurzeit bin ich richtig geplättet, wie sich die Blogparade #KultDef entwickelt: 32 Beiträge sind mit eurem da. Gerade ihr, Pausanio und result vereinen unterschiedliche Stimmen zur Kultur, zum Lesen und zum Hören und das finde ich toll!

    Danke dafür!

    Herzlich,
    Tanja

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Tanja,
      wir fanden deine Idee auch einfach mutig, denn gerade über den Kulturbegriff lässt es sich ja vortrefflich streiten. Wenn man die Rückmeldungen liest, da kann ich dir nur zustimmen, hat man wirklich das Gefühl, dass die emotionale Ebene bei Kultur eine wichtigere Rolle spielt, als man vielleicht zuerst meinen würde. Das merkte man auch in der Gruppendiskussion, ob wir uns beteiligen sollten ;-). Daher vielen Dank für deine positive Rückmeldung und wir verfolgen gespannt, welche anderen Beiträge noch dazu kommen.
      Viele Grüße
      Stephanie

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