Den Stoff einfärben…

Jede Ausstellung benötigt ein Gesicht. Neben den Objekten, die es zu sehen geben wird, gehört dazu unbedingt die Gestaltung von Plakaten und auch Texten. Form und Inhalt müssen natürlich zusammen passen.
Über das Hemd ohne Naht wissen wir mittlerweile eine ganze Menge mehr, als noch zum Start der Ausstellungsplanung (wir empfehlen unbedingt den Vortrag von Eva Jordan-Fahrbach am 15. Juli !) – und auch über Johan Henrick Bühmann, den Weber. Für die Informationen sorgt die Recherchegruppe.

Unser Key Visual, das Grundmotiv für sämtliche Gestaltung, wurde im Team diskutiert – und obwohl wir kein überliefertes Bild von ihm haben, war schnell klar: Es muss Johan, der Weber sein! Als nächstes stand an, die Farbwelt der Ausstellung zu bestimmen.
Eine helle Farbwelt sollte es sein – immerhin geht es um Leinen. Und Johan darf auch nicht zu konkret dargestellt werden, er lebte von 1709 bis 1773, einer Zeit lange vor der Fotografie. So kamen wir auf helle Grautöne.

Wie sah ein Weber zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus? Gab es eine Kleiderordnung?
Unser Key Visual, Johan Henrick Bühmann
Diese Frage sollte uns für glatte 5 Wochen beschäftigen – sehr viele Anfragen mussten wir stellen, da wir offensichtlich auf eine Forschungslücke gestoßen waren. Im Dialog mit Kostüm- und Textilforschenden einigten wir uns daher auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Kniebundhose, Hemd und Weste. In Steinhude selbst fand sich leider kein Hinweis (obwohl wir sogar einen Aufruf in der Presse hatten).
Möglicherweise gehörte zur Webertracht noch ein Mantel mit zweireihiger Knöpfung, ein Hut – und bei der Arbeit selbst dürfte eine Schürze getragen worden sein – doch Belege ? Fehlanzeige.

Alles an Johan ist schlicht – mit einer Ausnahme. Das Hemd, das er trägt, ist deutlich detaillierter. Wir haben ihm das Hemd ohne Naht angezogen. Aus einem Foto des Hemdes entwickelten wir eine Grafik in Weiß und Grautönen. Diese bearbeiteten wir weiter, bis alles zusammen passte.

Mit Grautönen alleine war die Farbwelt aber noch nicht bestimmt. Ein gut harmonisierender Rotton kam dazu. Zudem musste noch eine Schriftart bestimmt werden, oder vielleicht sogar mehrere?
Tatsächlich haben wir nur eine Schriftart verwendet – mit dem passenden Namen: Deja vu.
Beim Untertitel selbst haben wir uns wieder für ein Bild entschieden – ein Bild von einer Schrift. Das Hemd wurde 1728 gewebt – eine Zeit, zu der vor allem mit der Hand geschrieben wurde. cropped-header.pngDie Schrift zu jener Zeit sah natürlich komplett anders aus! Aber was nützt alle historische Korrektheit, wenn es keiner mehr lesen kann? Die Kalligrafie ist also eine Kombination aus heute lesbarer Schrift mit typischen Elementen, wie sie auch schon zu Johans Zeit verwendet wurden.

S.K.

– PS: Danke Herr Weber !

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