Nachlese: Ein Hemd ohne Naht – wie kann das funktionieren?

Foto des nahtlosen Hemdes ( Fotografin: Hannelore Hogger)
Das Hemd nimmt Gestalt an!

Mittwoch, 15. 07.2015, Hannoversches Schloss, B 302 ist gut gefüllt, mehr als 25 Personen – wir sind sehr zufrieden mit der erzielten Resonanz. Sandra beginnt, berichtet von Vergangenem (dem Seminar), Gegenwärtigem (Recherche, Vorbereitungen, …), Zukünftigem (die Ausstellung); dann von Johan Henrick Bühmann und unseren Überlegungen zu ihm und schließlich: „Liebe Frau Jordan-Fahrbach, wir sind alle sehr gespannt!“

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Das Plenum lauschte gespannt – die technische Raffinesse von Bühmann erstaunte alle.

So erfahren wir kurzgefasst:

  • dass Johan sicher im Umgang mit Flach- und vermutlich auch mit dem senkrechte Gewichtswebstuhl gewesen sein muss,
  • was wir durch die Position von Knoten über den Fertigungsprozess sagen können,
  • welche Rolle eventuell Brettchenweberei spielen könnte (die noch in den 1950ern in Lapplan und skandinavischen Ländern verbreitet war!),
  • was beim HoN als „Glöckchen“ bezeichnet wird – schließlich, dass „das alles zusammenzubasteln

[…] ja doch ne Menge [erforderte].“ Und eigentlich noch viel mehr, was wir auf jeden Fall aufgreifen und verarbeiten werden.

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Der Vortrag bot reichlich Stoff für Diskussionen.

Den Termin verpasst? Dann einfach am 25.07. ab ins Museum in Steinhude, ab 13 Uhr gibt es das Hemd zu sehen –
ganz ohne trennende Vitrine! Und vielleicht hast ja gerade Du die eine, spannende Frage, die unserer Ausstellung noch den letzten Schliff gibt. Also neugierig sein, vorbeikommen und mitmachen! Frau
Jordan-Fahrbach wird natürlich auch da sein, neben dem HoN, versteht sich.

PS: Du willst mehr Ergebnisse und kannst die Ausstellung nicht abwarten? OK, hier also eine kleine inhaltliche Zusammenfassung:

Das Hemd entspricht den Hemden seiner Zeit: Es hat einen 30cm langen Brustschlitz, einen Stehbundkragen, Schulterpassen, unter den Armen Zwickel, Armbündchen und am unteren Ende Seitenschlitze. Die erste Vermutung von vielen ist, dass Bühmann am unteren Ende angefangen hat zu weben. Frau Jordan-Fahrbach geht aber davon aus, dass er am oberen Kragen angefangen hat, wofür er als erstes ein schmales 4cm breites Band gewebt hat. An dieser Stelle hat Bühmann die Schussfäden dann in langen Schlaufen gelegt, um sie als Kette zu nutzen. Zudem wurden mehrere Schüssen eingefügt, damit das Halsbündchen leicht rund wird und sich weitet. Bei den Knopflöchern wurde ein zweiter Schuss eingefügt, die Bindung unterhalb der Knopflöcher ist dann anders, als die darüber liegende. Hier hat Bühmann höchstwahrscheinlich getrickst, denn die Bindung ist unbekannt. Weiter ging es dann mit Atlas- und Köperbindungen, sodass ein Glöckchenmuster entstand.

Kragen_SW_HONNachdem der Halsbereich fertiggestellt war, widmete sich Bühmann dem Schulterbereich, wo er für jede Schulter jeweils ein neues Band brauchte. Diese Schulterpassen weisen ein Würfelmuster auf. Aber so gut Bühmann auch weben konnte, auch er machte Fehler. So ist z.B. an einer Stelle ein Richtungswechsel im Grat zu erkennen, der technisch nicht notwendig gewesen wäre.

Nach Beendigung der Schulter wurde der Corpus gewebt. Die Kettenfäden der Schulter wurden in einem zweilagigen Doppelgewebe mit eingewebt. Der Brustschlitz entstand durch Richtungswechsel in der Mitte und die Seitenschlitze durch Trennung der beiden Gewebe. Am Ende folgte die feste Kante, bei der aufgrund ihrer vielen Knoten deutlich wird, das Bühmann die restlichen Fäden zum Abschluss als Zwirne zurück ins Gewebe geführt hat. Im Weiteren wurde dann der Corpus um 90° gedreht und die vorher gelegten Schlaufen zu Ärmeln verarbeitet. Auch diese wurden in doppelter Lage gewebt. Bei den Zwickeln hat Bühmann wiederum getrickst – nobody is perfect. Alles Weitere in unserer Ausstellung ab 27.08.!

J.B./C.W.

PS: Wer das alles gern nachlesen möchte, dem sei der Beitrag von Eva Jordan-Fahrbach & Sandra Kilb in der Spin Off ans Herz gelegt.

PPS: Eine tolle Zusammenfassung der Ergebnisse online findet sich auf der auch sonst sehr interessanten Homepage von  Lucia Schwalenberg.

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