Ein Weber, viele Namen

Dass sich die deutsche Rechtschreibung ab und zu ändert, ist ja nichts Neues. Aber auch Eigennamen können ihre Schreibweise durch die Jahrhunderte verändern. Ein Beispiel ist unser Weber, Johan Henrich Bühmann (so die moderne Schreibweise).
Wir haben seinen Namen zweimal zu seinen Lebzeiten überliefert, aus dem Rechnungsbuch der Steinhuder Leinweberzunft. Ein Eintrag stammt aus dem Jahr 1728, der andere aus dem Jahr 1730.

Rechnungsbuch_1_JB Rechnungsbuch_18_JB

Die Schreibweise ist beide Male die gleiche: Johan mit einem n, Hinrich mit i und Büman ohne h und mit nur einem n am Ende.
Wenn wir der Abschrift des Rintelschen Anzeigers aus den Jahren 1765/66 glauben dürfen, wurde Johans Nachname dann bereits in der heutigen Fassung, nämlich Bühmann geschrieben.
Ob Johan, der damals Mitte 50 war, das bemerkt hat? Vermutlich nicht, denn damals schrieb noch jeder, der schreiben konnte, wie er wollte. Bestrebungen, die deutsche Rechtschreibung zu vereinheitlichen gibt es erst ab 1871.

Mit der zunehmenden Legendenbildung um das Hemd ohne Naht und seinen Weber schleichen sich dann in der Mitte des 19. Jahrhunderts Fehler ein. Das Fürther Tagblatt nennt 1851 einen Johan Dietrich Bühmann als Weber und welchem Grafen er es präsentierte, nahm man da auch nicht mehr so genau. Das liegt wohl daran, dass Wilhelm von Schaumburg-Lippe (*1724, * 1777), der erst 4 Jahre alt war, als seinem Vater die nahtlosen Hemden überreicht wurden, später seinen Vater an Bedeutung weit übertraf.

Vielleicht hat der Verfasser sogar das Rechnungsbuch der Leinweberzunft gekannt. Dort steht nämlich direkt über unserem Johan Hinrich in dem Eintrag von 1728 ein weiterer Weber, der Johan Dietrich heißt. Ist da etwa jemand in der Zeile verrutscht?
Überhaupt ist Johan Hinrich zu Bühmanns Zeiten ein sehr beliebter Vorname: Zur Weberzunft gehören 1728 mindestens auch noch ein Johan Hinrich Rintelmann, ein Johan Hinrich Brethauer, ein Johan Hinrich Post, ein Johan Hinrich Hodan und ein Johan Hinrich Pickert.

1905 schreibt Volksschullehrer Wilhelm Wigmann eine rührende Geschichte über das Hemd und den jungen Weber, der es anfertigte und da heißt unser Johan auf einmal nur noch Dietrich und präsentiert die Hemden wieder dem berühmten Wilhelm als Landesherren.

Ein Glück, dass er jetzt seinen richtigen, wenn auch modernisierten Namen zurück hat.

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