Willkommen in der Gilde

„So sollt ihr Macht haben, aus diesem Willkommen drei freie Trunke zu verschenken. Einen an den Herrn Ratsbeisitzer, einen an den Herrn Gildemeister, einen aus der freien Zeche an wen ihr wollt.“

Die Wilköm der Steinhuder Gilde sind Zinnkrüge bzw. Zinnpokale. Sie wurden mit dem Zunftsstab, der Gesellenkasse, Leuchtern, Rechnungsbüchern, dem Tobaks Teller und anderen Krügen – den Zunftreliquien – in der Zunftlade aufbewahrt. Der Gesellen- und der Meisterwillköm sind Trinkpokale. Beim jährlichen Treffen aller Mitglieder der Gilde durften die neuen Gesellen und Meister einmal aus dem jeweiligen Pokal trinken.

In der Steinhuder Webergilde war es Tradition, dass die Männer, die im vorherigen Jahr ihr Meisterstück vorgezeigt hatten, vor allen Mitgliedern vortraten und drei Trunke aus dem Zinnbecher verschenkten. Einer ging an den Ratsbeisitzer, einer an den Gildemeister und der dritte konnte an eine beliebige Person der Gilde verschenkt werden. Die jungen Männer selbst hatten die Ehre aus dem Meisterwillköm zu trinken. Für die neuaufgenommen Gesellen gibt es den Gesellenwillköm. Die Willköm waren mit Bier gefüllt, welches mit Zwieback und Zucker bestreut war.

Gesellenwillköm rechts mit Deckel und links Meisterwillköm mit Deckel daneben liegend.
Gesellenwillköm rechts mit Deckel und links Meisterwillköm mit Deckel daneben liegend.

Gildemeister: „Woraus habt ihr getrunken?“

Junger Meister: „Aus dem löblichen Meister-Willkommen.“

Gildemeister: „Warum habt ihr daraus getrunken?“

Junger Meister: „Als zum Besten und der ganzen Bruderschaft zu Ehren.“

Gildemeister: „Womit wollt Ihr sie ehren?“

Junger Meister: „Mit dem Munde, und was wir nicht mit dem Munde tun, das wollen wir mit dem Gelde tun.“

Gildemeister: „So seid ihr schuldig 1Sg. 5Pf. Zu bezahlen.“

In beide Willköms sind Namen eingraviert. Am Meisterwillköm kann man das Wort Willköm deutlich erkennen. Am kleineren Gesellenwillköm kann man Ösen rundherum erkennen. An diesen Ösen hingen früher Messingplaketten mit den Namen der Gesellen. Diese Messingplaketten sind heute verschollen.

Zitate nach Notizen des Gildemeisters Friedrich Knölke (Ende 19. Jh.), in: R. Diersche, Steinhude. Bevor die Fremden kamen. Horb am Neckar 1999, 50-51.

C.W.

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