„Tracht kommt von (ge)tragen“ – Das Flachsfest in Steinhude bekommt Gewicht

Kommenden Samstag und Sonntag, den 10. und 11. Oktober 2015, lädt das Fischer- und Webermuseum zum Flachsfest ein. An beiden Tagen wird von 11 bis 18 Uhr historisches Handwerk lebendig. Die Besucher begeben sich auf eine Reise durch Jahrhunderte der Technik: vom Gewichtswebstuhl bis zum jüngeren Trittwebstuhl.

Im und um das historische Museumsgebäude herum werden zahlreiche Stände historische Kleidung, Tracht, Stoffe und moderne Quiltarbeiten anbieten und im Museum sind die Besucher herzlich eingeladen, selbst Hand anzulegen.

Den Sprung in die Moderne unterstützt die Partnerveranstaltung in der Weberei Seegers: Dort gibt es eine kostenlose Webereibesichtigung, die viele Maschinen in Aktion zeigt, außerdem eine Modenschau und Bastelaktionen für Kinder. Damit der Sprung unfallfrei gelingt, verkehrt zwischen den beiden Veranstaltungsorten ein Kutschen-Shuttle – allein schon ein Erlebnis!

Die zweitbeliebteste Weberinnen-Darstellung

Ein ganz besonderes Highlight ist aber die Vorführung des römischen Gewichtswebstuhls durch Barbara Stritter. Gewichtswebstuhl – nie gehört? Tatsächlich gehört der Gewichtswebstuhl zu den Erfolgsmodellen der Webstuhlgeschichte. Am bekanntesten sind wohl die Webstuhlabbildungen aus dem antiken Mittelmeerraum wie links, seine Ursprünge finden sich aber wohl bereits in der Jungsteinzeit.

Bis in etwas zum 10. Jh. war diese Art von Webstuhl in Mittel-, Nord- und Südeuropa überall verbreitet. In einigen Gebieten Skandinaviens war er sogar noch bis in die 1950er Jahren im Hausgebrauch.

Was ist aber denn überhaupt ein Gewichtswebstuhl und woher wissen wir um seine Verbreitung? Die Antwort lautet: Durch die Webgewichte. Während der Rahmen des Webstuhls und die darauf hergestellten Textilien aus vergänglichen Materialien bestanden, sind die namensgebenden Webgewichte oft aus Stein oder Ton hergestellt worden.

Der Aufbau eines Gewichtswebstuhl ist simpel: 

Aufbau eines Gewichtswebstuhl – sieht auf den ersten Blick komplizierter aus, als es ist.

An einem Balken (Tuchbaum), der an Pfosten o.ö. befestigt wird, werden, die Kettfäden angehängt. Durch diese werden die Schussfäden geführt. Um auf diese Weise ein Textil zu weben, braucht es auf den Kettfäden Spannung. Deshalb werden am Ende die Kettfäden an Gewichte gebunden. Diese Gewichte sind es, die dem Webtstuhl seinen Namen gegeben haben – und ihn für uns so leicht im archäologischen Kontext erkennbar machen. Zwar gibt es mannigfaltige Formen von Webgewichten, trotzdem sind sie unverkennbar.

Das bespannend eines solchen Gewichtswebstuhl dauert seine Zeit. Die Kettfäden werden in Bündeln an den Webgewichten befestigt, um sie auf Spaqnnung zu halten, gewebt wurde von oben nach unten. Sollte das Gewebe länger werden als der Webstuhl hoch, so konnte es mittels der Kurbelwelle auf dem Tuchbaum aufgerollt werden, während es nach unten weiter wuchs. 

Weitere alte und neue Handwerkstechniken gibt es dann am 10. und 11. Oktober in Steinhude zu bestaunen. Neben der Tracht, die getragen wurde und wird ist auch die Ausstellung um das nahtlose Hemd geöffnet – das ist und bleibt aber ungetragen.

Literaturtipp: Martha Hoffmann, The warp weighted loom

St.K./H.B.

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