Ein nahtloser Übergang – der virtuelle Begleitband

Die Ausstellungseröffnung letzte Woche war ein voller Erfolg  –  ein herzliches Dankeschön an alle Helfer, die beim Aufbau & der Veranstaltung selbst kräftig mit angepackt haben. Wir freuen uns auch über viel positives Feedback, das wir bisher von unseren Besuchern bekommen haben, hörten wir doch häufig: „Ein Hemd ohne Naht? Das ist ja wirklich spannend, das hätte ich gar nicht gedacht!“

Aber wie heißt es so schön: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Die Idee des Blogs, die Ausstellung zu begleiten, bezog sich ja nicht nur auf den Aufbau sondern auch auf den Inhalt.  Ab der kommenden Woche werden wir vertiefende Texte zur einzelnen Bereichen oder Objekten der Ausstellung hochladen. So wird ein virtueller Begleitband entstehen, der im wöchentlichen Rhythmus Lust auf mehr machen soll. Auch hier sind Fragen und Feedback unter den einzelnen Beiträgen (und mögliche Beitragswünsche) gern gesehen.

Über die Kategorien auf der rechten Seite können die einzelnen Themengebiete der Ausstellung ausgewählt und die dazugehörigen Beiträge aufgelistet werden. Noch sind nicht alle fünf Kategorien – das wird sich aber bald ändern.
Viel Spaß also in der Ausstellung & weiterhin beim Lesen unseres Blogs!

Auf die richtige Mischung kommt es an – Die Arbeit der Objektgruppe

Wenn das Ausstellungsdrehbuch das Rezept ist, dann ist die Arbeit der Objektgruppe vergleichbar mit einer Einkaufstour im Feinkostladen – man schaut sich um, man hat seine Liste, man will ganz viel haben, aber letztlich bekommt man das meiste nicht, weil es sehr rar und teuer ist, ausverkauft oder unauffindbar. Für eine Sonderausstellung zum Hemd ohne Naht nehme man also…

Leerer_Raum
Alles beginnt mit einem Raum, der gefüllt werden will.

(1)… erst einmal ein gutes Grundrezept: Das Hemd ohne Naht ist das zentrale Objekt – klar, aber da braucht es noch mehr! Was unterstreicht die Besonderheit und bringt das feine Aroma heraus? Einen Einheitsbrei werden wir nicht kochen und ein Gericht ganz ohne Beilagen und Würze ist auch recht fad, sie gehören einfach dazu – dürfen aber nicht dominieren. Also her mit den passenden Zutaten! Hier ist Teamwork gefragt: Aus den Themenideen der Drehbuchgruppe und den Ergebnissen der Recherchegruppe werden die idealen Beilagen herausgefiltert. Sie müssen inhaltlich zum Thema des jeweiligen Ausstellungsteils passen, Verbindungen zur Vergangenheit und Gegenwart schaffen und ganz wichtig: die Besucher anregen (also den Gaumen kitzeln). Ausgehend hiervon wird geplant und gesucht: Was passt überhaupt? Was haben wir? Was wollen die Besucher?

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Manches, das passen könnte, ist leider zu kostbar…

(2) … eine gute Portion Zeit und Geduld. Mit dieser Liste geht man nun hinaus in die Welt und sucht, schreibt Mail um Mail, telefoniert herum und fragt Kontakte nach den besten Bezugsquellen. Man wartet, wird verwiesen, man trifft auf geschlossene Läden und exorbitante Preise. Hier heißt es dann Entscheidungen treffen:  Was brauchen wir wirklich? Passt das in unseren Ofen… ähm… die Vitrinen?

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… da hilft es, zu improvisieren und zu suchen, was ähnlich gut schmeckt.

(3) … einen Schuss Improvisationstalent, oder kurz: Passt unsere korrigierte Einkaufsliste jetzt noch zum Rezept? Hier ist zu schauen, was wirklich schmeckt und was dann doch lieber im Laden bzw. Lager bleiben sollte, bevor es uns schwer im Magen liegt. Es kommt schließlich nicht auf die Masse an, sondern auf die Qualität. Dies bringt viele neue, kreative Ideen und Aspekte zu Tage, an die man vorher gar nicht gedacht hätte. Wer hätte vor 20 Jahren schon Oliveneis gegessen? Erst jetzt folgt nun der eigentliche Einkauf mit Beleg, Unterschrift – und natürlich Rückgabegarantie, allerdings von unserer Seite ;-). Die Ausstellung kann fast beginnen. Zuletzt fehlt nur die finale Würze: Die Texte. Aber das ist die Arbeit der Recherchegruppe.

St.K/ S.K.

Den Stoff einfärben…

Jede Ausstellung benötigt ein Gesicht. Neben den Objekten, die es zu sehen geben wird, gehört dazu unbedingt die Gestaltung von Plakaten und auch Texten. Form und Inhalt müssen natürlich zusammen passen.
Über das Hemd ohne Naht wissen wir mittlerweile eine ganze Menge mehr, als noch zum Start der Ausstellungsplanung (wir empfehlen unbedingt den Vortrag von Eva Jordan-Fahrbach am 15. Juli !) – und auch über Johan Henrick Bühmann, den Weber. Für die Informationen sorgt die Recherchegruppe.

Unser Key Visual, das Grundmotiv für sämtliche Gestaltung, wurde im Team diskutiert – und obwohl wir kein überliefertes Bild von ihm haben, war schnell klar: Es muss Johan, der Weber sein! Als nächstes stand an, die Farbwelt der Ausstellung zu bestimmen.
Eine helle Farbwelt sollte es sein – immerhin geht es um Leinen. Und Johan darf auch nicht zu konkret dargestellt werden, er lebte von 1709 bis 1773, einer Zeit lange vor der Fotografie. So kamen wir auf helle Grautöne.

Wie sah ein Weber zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus? Gab es eine Kleiderordnung?
Unser Key Visual, Johan Henrick Bühmann
Diese Frage sollte uns für glatte 5 Wochen beschäftigen – sehr viele Anfragen mussten wir stellen, da wir offensichtlich auf eine Forschungslücke gestoßen waren. Im Dialog mit Kostüm- und Textilforschenden einigten wir uns daher auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Kniebundhose, Hemd und Weste. In Steinhude selbst fand sich leider kein Hinweis (obwohl wir sogar einen Aufruf in der Presse hatten).
Möglicherweise gehörte zur Webertracht noch ein Mantel mit zweireihiger Knöpfung, ein Hut – und bei der Arbeit selbst dürfte eine Schürze getragen worden sein – doch Belege ? Fehlanzeige.

Alles an Johan ist schlicht – mit einer Ausnahme. Das Hemd, das er trägt, ist deutlich detaillierter. Wir haben ihm das Hemd ohne Naht angezogen. Aus einem Foto des Hemdes entwickelten wir eine Grafik in Weiß und Grautönen. Diese bearbeiteten wir weiter, bis alles zusammen passte.

Mit Grautönen alleine war die Farbwelt aber noch nicht bestimmt. Ein gut harmonisierender Rotton kam dazu. Zudem musste noch eine Schriftart bestimmt werden, oder vielleicht sogar mehrere?
Tatsächlich haben wir nur eine Schriftart verwendet – mit dem passenden Namen: Deja vu.
Beim Untertitel selbst haben wir uns wieder für ein Bild entschieden – ein Bild von einer Schrift. Das Hemd wurde 1728 gewebt – eine Zeit, zu der vor allem mit der Hand geschrieben wurde. cropped-header.pngDie Schrift zu jener Zeit sah natürlich komplett anders aus! Aber was nützt alle historische Korrektheit, wenn es keiner mehr lesen kann? Die Kalligrafie ist also eine Kombination aus heute lesbarer Schrift mit typischen Elementen, wie sie auch schon zu Johans Zeit verwendet wurden.

S.K.

– PS: Danke Herr Weber !

Ad fontes! Die Arbeit der Recherche-Gruppe

Was macht eigentlich die Recherche-Gruppe? Recherche bedeutet doch Nachforschung, Ermittlung, demnach forscht das Recherche-Team. Aber wonach forschen wir? Wie arbeiten wir? Was suchen wir? Von unserer Arbeit wollen wir heute berichten.

Wir suchen also nach Informationen. Jeder, der nach speziellen Informationen sucht, weiß, dass Google dein bester Freund sein kann – und so starteten wir unsere Arbeit. Einige Male steckten wir unsere Nasen auch in Wörterbücher und Lexika, um uns über den Ursprung einiger Begriffe klar zu werden. Wir fanden so Quellen, Datenbanken, Verweise auf Archive und Institute, sowie hier und dort auch auf Aufsätze und Bücher. Damit startet das Schneeballsystem: Hat man das erste Buch in der Bibliothek gefunden, schaute man nach rechts und links und findet weiteres Material zum Thema und jedes Buch selbst liefert Verweise auf andere. Die Archive und das Museum Steinhude selbst lieferten uns Quellen aus der Entstehungszeit des Hemdes.

Aber was haben wir da eigentlich gesucht und erforscht? Geht es nicht bei der Ausstellung in Steinhude um ein Hemd? Ja, so ist es. Wir stellten uns ganz zu Beginn der Ausstellungsplanung deshalb die Frage: Wer war das eigentlich der dieses Hemd gewebt hat und wie lebte er? Und hiervon ausgehend kam eins zum anderen: War er verheiratet, hatte er Kinder? Wie war das zu der Zeit, in der unser Weber, Johann Henrich Bühmann, lebte und webte? Wie sah es mit dem sozialen und politischen Leben in und um Steinhude aus? War Johann Henrich Mitglied einer Weberzunft oder war es eine Gilde? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Zunft und einer Gilde? Oder was bedeutet eigentlich „nahtlos“? Warum ist ein Hemd ohne Naht eigentlich so besonders, gibt es heute nicht auch Wäsche ohne Naht? Viele dieser Fragen und noch viel mehr versuchen wir durch unsere Recherche zu beantworten.

Blog Recherche
Begriff „Gilde“ aus dem Zedler, Bd.10, Sp. 1470.

Auf dieser Weise sammelten wir eine Fülle an Informationen, die wir schon bei der Suche in glaubwürdige und zu hinterfragende Informationen gliederten, denn nicht jedes Stück Papier verrät, nur weil es alt ist, die Wahrheit. Einige unserer Quellen mussten wir auch noch entschlüsseln, manchmal ging es um alte Handschriften, ein anderes Mal um alte Druckschriften. So schlugen wir beispielsweise den Zedler, das Große vollständige Universal-Lexikon aus dem 18. Jahrhundert, auf, um Begriffe nachzuschlagen, jedoch mussten wir erst einmal die Schrift entziffern.

Momentan ist es noch unsere Aufgabe, die Quellen und die Literatur so aufzuarbeiten, dass wir die wichtigsten Information gebündelt haben, damit keine oder kaum noch Fragen offen sind und die Besucher des Museums ein komplettes Bild geliefert bekommen.

Aber jetzt sollt ihr nicht das Bild von uns haben, wir hätten unsere Nasen nur in Bücher und Archive gesteckt, denn das stimmt so nicht. Forschen heißt immer auch Austausch: So erstellten wir Fragebögen und verschickten diese, redeten mit Freunden auf der ganzen Welt über den Begriff „nahtlos“ und seine Bedeutung und haben auch Kontakt zu anderen Forschern und Forscherinnen geknüpft, zum Beispiel nach Schottland und Dänemark, und sogar nach Israel. Warum? Das verraten wir euch zu einem späteren Zeitpunkt!

C.W./J.B./ St.K.

Unser Nähkästchen – Die Arbeit des Blog-Teams

Wie wäre es, wenn wir auf einem eigenen Blog unsere Arbeit dokumentieren?

Wir könnten auch den Blog der Steinhuder Museen benutzen. Der hat schon einige Follower!

Aber wäre es nicht für andere interessant, wenn wir selbst unsere Arbeit dokumentieren?

Wir könnten das auch als Online-Beiheft benutzen!

So oder so ähnlich liefen zu Beginn unserer Arbeit mehrere Gespräche bei unseren Gruppenchats und -treffen. Wie es ausging, ist wohl offensichtlich. Warum es so ausging, was die Blog-Gruppe jetzt so treibt und was ihr hier in Zukunft erwarten könnt, erklären wir euch jetzt in unseren 4 steps to blog:  

Step 1 – make a choice

Die erste Hürde war schnell genommen: ja, wir wollten sicher das Internet nutzen, um die Ausstellung bekannt zu machen. Da wir aus Kostengründen auf einen Ausstellungskatalog oder ein größeres Beiheft verzichten, bot sich ein Blog auch für weiterführende Infos an. Aber was wollten wir genau und wer kümmert sich neben der zeitaufwendigen Hintergrund- und Objektrecherche, der Ausstellungsgestaltung und Finanzplanung darum? Von der Ausrichtung (Publikum ansprechen!) passt der Internetauftritt zur Arbeit der PR-Gruppe, doch letztlich war klar, dass die Blogarbeit wie unsere Teamarbeit laufen muss: zwei koordinieren, alle liefern abwechselnd Inhalte, jeder bringt seinen individuellen Schwerpunkt ein.

Step 2 – how to blog

Da die inhaltliche Strategie (s. „Über Uns“) soweit klar und inkl. Zeitplan fix zusammengefasst war, ging es weiter: wie bloggt man eigentlich? Dankenswerterweise konnten wir dafür auf die Erfahrungen des Blogs der Steinhuder Museen zurückgreifen. Ein Blog war schnell eingerichtet und dann wurden erst einmal abgeschaut: wie schreiben eigentlich andere Blogger im Kulturbereich? Schnell war klar, dass (auch) hier der Leitsatz gilt: keep it simple! Immer im Auge behalten wir dabei die Frage, am wen sich unser Blog eigentlich richtet, denn langfristig soll der Leser (also ihr!) ja Interesse an unseren Inhalten und der Ausstellung bekommen.

Step 3 – get that thing going

Am 01. Juni war es dann soweit: Der erste Blogeintrag. Nach ein paar Tests in den Wochen zuvor wurden die ersten Beiträge eingestellt. Nicht ohne eine gewisse Nervosität, versteht sich. Wie wird der neue Blog ankommen? War ein eigener Blog wirklich der richtige Weg? Damit unser Blog nicht in den Weiten des World Wide Web verloren geht, versuch(t)en wir ihn über verschiedene Wege bekannt zu machen: Zuerst natürlich über den Blog der Steinhuder Museen selbst, dann über Facebook, Hinweise in unseren Pressemailings und Pressemitteilungen sowie anderer Blogger. Ob es wirkt? Unsere Besucherzahlen steigen zumindest stetig. Drückt uns die Daumen!

Step 4 – keep rolling

Aber was hilft der schönste Blog ohne Inhalte und ohne erkennbares Design? Wie auch die Arbeit an der Ausstellung verändert sich der Blog stetig, wächst und wechselt zuweilen sein Erscheinungsbild – und da hat sich im Laufe der letzten Woche schon sehr viel getan…

Altes blog layout
Vergleicht doch einmal dieses Bild (03.06)
Neues layout
mit diesem Bild (09.06.).

… und es bleibt spannend! Immer dienstags ab 18 Uhr laden wir neue Beiträge hoch, kleinere Informationshappen werden ergänzt (schaut mal nächste Woche ins noch recht kahle „Über uns“) und es wird vielleicht noch die ein oder andere Überraschung geben. Bleibt dabei und gebt auch gern Feedback, wir freuen uns über jeden Beitrag und jede Frage zu unserer Arbeit.

H.B./St.K.

Augenblick mal! Die Arbeit der PR-Gruppe

Stell dir vor, es gibt eine interessante Ausstellung und niemand geht hin – weil niemand davon weiß.Um das zu verhindern, ist das PR-Team der Ausstellung gerade dabei, nicht nur wie alle anderen ihren Bekannten in den Ohren zu liegen, sondern Ansprechpartner bei verschiedenen Medien zu recherchieren (also Leute, die anderen Leuten professionell mit Infos in den Ohren/den Augen liegen).

Dafür gibt es zwei maßgebliche Wege: Zum einen haben wir die Stadtverwaltung angeschrieben und um eine Medienliste gebeten – nicht nur für Hannover, sondern auch für die umliegenden Städte, wie Hildesheim, Wunstorf und Braunschweig. Damit stellt man sicher, dass man die wichtigsten Multiplikatoren auf dem Schirm hat. Zum anderen haben wir weitere Ansprechpartner über das Internet recherchiert, darunter speziell Leute, für die das Thema unserer Ausstellung von Interesse ist (zum Beispiel als Stück regionaler Handwerksgeschichte oder als praxisbezogene studentische Initiative). Allen gefundenen Kontakten werden wir in den nächsten Wochen eine Pressemitteilung mit den zentralen Informationen zur Ausstellung zukommen lassen.

Um alles zu koordinieren, arbeiten wir gemeinsam in der Cloud. Hier ein exklusiver Einblick in die Dokumentenliste der PR-Gruppe 😉

Da wir pro Tag mit 2.500 bis 5.000 solcher Werbebotschaften konfrontiert werden, müssen wir eine Botschaft durchschnittlich dreimal bekommen, bevor wir sie wirklich aufnehmen.

Damit also niemand unsere Ausstellung verpasst (ab dem 27.08.2015 im Fischer- und Webermuseum Steinhude), rühren wir ab sofort in den lokalen und regionalen Medien fleißig die Werbetrommel.

Wer mag, kann ja mal mitzählen, wie oft er an den Termin der Ausstellung erinnert wird (-eins!-).

HB & IR